Interview – Flucht. Ankommen. Angekommen. Teilhaben. Gestalten.

Flucht. Ankommen. Angekommen. Teilhaben. Gestalten.

Ein Interview mit Adham B. über Sichten und Perspektiven als (geflüchteter) Mann in Deutschland

 

„Das hat mich positiv überrascht,
wie stark die Frauen hier sind“.

Vor mehr als zwei Jahren ist Adham aus Syrien nach Deutschland geflohen. Bei unserem Projekt „Rollenspielen – Über Geschlechterrollen gemeinsam reden“ unterstützte er uns als Dolmetscher.

Wir haben ihn gefragt, wie es ihm als Mann in Deutschland geht. Was sind seine bisherigen Erfahrungen, Wünsche und Ziele? Was hält er von der Gleichstellung der Frau? Was von der Sicht auf geflüchtete Männer?

Du bist jetzt seit über zwei Jahren in Deutschland, sprichst die Sprache, hast eine eigene Wohnung, einen Job und Freunde gefunden. Wie geht es dir?

Ich bin mit meiner Lage hier zufrieden. Aber ich mache mir immer große Sorgen um meine Familie und darum, was in Syrien passiert.

 

Wie war die Anfangszeit in Deutschland für dich? Du bist im Herbst 2015 angekommen. Das hieß: Unterbringung in einer Notunterkunft mit vielen verschiedenen Menschen…viel Hilfe…viel Chaos, oder?

Es war wie ein Traum, in Deutschland sein zu können. Chaos gab es nicht viel am Anfang. Alles war gut organisiert und es gab viel Unterstützung durch die Betreuer und Helfer. Sie haben sich viel um die Familien mit Kindern gekümmert.

In der Unterkunft gab es viele verschiedene Gruppen. Am Anfang guckten sich alle erst einmal komisch an. Die Syrer und Afghanen wollten unter sich sein. Das kann man verstehen. Aber dann lernte man sich kennen und es war toll.

Zuerst begann ich Freundschaften mit Leuten aus anderen syrischen Städten. Die haben eine ganz andere Mentalität als Leute aus meiner Stadt. Dann freundete ich mich mit Afghanen und Iranern an. So konnten wir viel von ihnen und ihren Problemen und Hoffnungen erfahren und lernen. Man hat nicht viel über den Hintergrund nachgedacht. Große Probleme gab es nicht. Wir haben viel zusammen gesessen und geredet. Wir treffen uns heute noch manchmal.

 

Wie hast du dich selber hier in Deutschland gefunden? Deinen Platz, deine (neue) Identität? Wer oder was hat dir geholfen? Was hat dich gebremst?

Erstmal war nur mein Körper hier. Man hatte Chaos im Kopf. Ich wusste nicht, was die Zukunft bringt und habe mir viele Sorgen um meine Familie gemacht. Du bist allein. Worauf soll ich mich konzentrieren? Die Sprache? Die Papiere? Eine Wohnung? Einen Job finden?

Ich habe gemerkt, dass ich meine Sicht und Perspektive ändern muss, denn jetzt bin ich in einem anderen Land mit anderen Sichten.

Am wichtigsten war es, schnell die Sprache zu lernen. Sehr geholfen haben mir die Betreuer in der Unterkunft, eine Lehrerin und allgemein die Deutschen. Es war schwierig, die Sprache schnell zu lernen und eine Wohnung zu finden. Die Lehrerin hat mir geholfen und sie ist immer wie eine Familie für mich. Eine Wohnung zu finden, hat mich gebremst.

 

Was glaubst du, sind die Erwartungen, die vielleicht von der Gesellschaft an dich gestellt werden? Passt das zu deinen Wünschen, Einstellungen, Zukunftsplänen?

Die Menschen, die schon lange hier sind, erwarten natürlich, dass wir sehr schnell die deutsche Sprache lernen, dass wir uns schnell integrieren und eine Arbeit finden.
Und all diese Erwartungen sind auch unsere Wünsche.

Diese Erwartungen an uns sind nicht zu hoch, aber die Deutschen müssen auch einen Schritt auf die Geflüchteten zugehen für die Integration.

 

Viele geflüchtete Männer treffen in Deutschland erstmal auf eine oftmals völlig neue Genderkultur. Der Umgang zwischen Frauen und Männern, ihre Gesten und Verhaltensweisen, die Vielfalt der Rollenmodelle und die Rechte und Werte, die im Geschlechterverhältnis in Deutschland gelten, gelebt und eingefordert werden….wie wirkte all das auf dich? Was gefällt dir, was nicht? Was irritierte dich?

Ich wusste, dass es hier eine andere Genderkultur gibt. Ich wusste, die Frauen haben hier mehr …weiterlesen>>

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